Don’t let it bring you down

Es begann, wie es oft begin­nt: mit ein­er Vorgeschichte und ein­er vol­lkom­men unre­al­is­tis­chen Erwartung­shal­tung. Die Vorgeschichte ist jahre­langes Pho­to­shop­ping. Dazu die Arbeit in ein­er Inter­ne­ta­gen­tur, in der KI inner­halb eines Jahres vom Hil­f­ss­chrauben­zieher zum einzig zukun­ft­strächti­gen Stand­bein avanciert war. Und eine grund­sät­zliche Nei­gung dazu, Dinge gut ausse­hen zu lassen. Auf dem Papi­er war KI-Bild­gener­ierung der logis­che näch­ste Schritt. In der Prax­is war es eher ein Schritt in ein Zim­mer, dessen Grun­driss sich ständig verän­dert.

Zunächst stallte sich das Plat­tform­prob­lem. Es gibt davon, wie sich her­ausstellt, erstaunlich viele — jede mit eige­nen Mod­ellen, eige­nen Preis­struk­turen und ein­er eige­nen charak­ter­is­tis­chen Art, nicht ganz das zu tun, was man sich vorgestellt hat­te. Night­Café wurde zum Hauptleben­sraum: haupt­säch­lich weil die Vor­gabe “Vin­tage Kino­poster” mein Favourite wurde. Und weil man mit Pay­pal zahlen kann. Dann blieb ich – weil das erste Bild des Tages kosten­los ist. Weil es Beloh­nun­gen gibt, wenn man täglich gener­iert. Was beschei­den klingt, hat in Wirk­lichkeit den Tagesablauf still und leise umstruk­turi­ert. Außer­dem gibt es Cred­its zu ver­di­enen, wenn man jeden Tag auf­taucht. Man sagt sich, dass man nicht dieser Men­sch wer­den wird. Man wird dieser Men­sch.

Aktueller Stand: Ich habe mein Pro-Abo gekündigt und ver­sucht, nur von Cred­its zu leben. Schön­er Mist! Mein Lieblings-Mod­el ist nicht mehr ver­füg­bar. Ohne Pro-Sta­tus lässt man mich nicht ein­mal mehr in meinen eige­nen Kreatio­nen suchen. Jet­zt ist es nur noch ein riesiger Haufen von Glied­maßen und Tex­turen.

Das Erstellen selb­st ist eine eigen­tüm­liche Erfahrung. Da ist das Bild, das in der Vorschau überzeu­gend wirkt und bei näher­er Betra­ch­tung offen­bart, dass die Hände sechs Fin­ger haben und die Architek­tur im Hin­ter­grund kein­er bekan­nten Epoche oder Wel­tre­gion ange­hört. Da ist der Prompt, den man siebzehn­mal mit wach­sender Präzi­sion über­ar­beit­et — und der siebzehn­mal das­selbe Bild pro­duziert, als hätte das Mod­ell die ersten drei Wörter gele­sen und dann aufge­hört zuzuhören. Und da ist der Selb­stzweifel, der zuver­läs­sig gegen Ver­such neun auf­taucht, wenn nichts funk­tion­iert und alle anderen in der Com­mu­ni­ty-Galerie müh­e­los leuch­t­ende, makel­lose Bilder zu pro­duzieren scheinen.

Die Explore-Seite: Ein end­los­es Scrollen durch Unmen­gen von Bildern, die tech­nisch beein­druck­end sind — und gle­ichzeit­ig die klis­chee­haftesten Dinge, die man je gese­hen hat. Iri­disierende Drachen. Weinende Elfen in cin­e­ma­tis­chem Licht. Cot­tages von ein­er Gemütlichkeit, die man nur als aggres­siv beze­ich­nen kann. KI ist, das zeigt sich, sehr gut darin, den Men­schen exakt das zu geben, was sie sich immer gewün­scht haben.

Was mach ich nur mit all dem Kram?

Diese Web­site existiert, weil Bilder sich schneller ansam­meln, als man sie sin­nvoll irgend­wo unter­brin­gen kann. T‑Shirt-Designs bei Red­bub­ble und Teep­ub­ble sind eine Option — mit dem kleinen Hak­en, dass man dort ein­er von mehreren Mil­lio­nen Design­ern ist und der Algo­rith­mus die Aufmerk­samkeitss­panne eines Gold­fis­ches mit Auswahlmöglichkeit­en hat. Eine eigene Web­site erschien als Möglichkeit, zumin­d­est einen Ort zu haben. Ob jemand ihn find­et oder auf­suchen möchte — angesichts der Tat­sache, dass KI-gener­ierte Bilder in Men­gen ver­füg­bar sind, die vor fünf Jahren als physikalisch unmöglich gegolten hät­ten — ist eine Frage, die diese Web­site bewusst offen lässt und hofft, dass man das char­mant find­et.

Die Arbeit­shy­pothese: dass die Ideen hin­ter den Bildern noch etwas Eigenes tun — dass das Prompt­ing in Rich­tung von etwas wirk­lich Eige­nar­tigem, Spez­i­fis­chem, jen­seits der üblichen Bib­lio­thek aus schön­er Melan­cholie und Fan­ta­sy-Grandeur, Ergeb­nisse pro­duziert, die zumin­d­est die richti­gen Absicht­en haben. Ob die Mas­chine diesen Absicht­en fol­gt, ist die tägliche Ver­hand­lung. Manch­mal ja. Manch­mal pro­duziert sie etwas so grundle­gend Falsches, dass es aus völ­lig anderen Grün­den inter­es­sant wird.

GPT hat die Lage erhe­blich verkom­pliziert, indem es sich als kom­pe­tent im Gesamt­paket erwiesen hat — Bild, Text, gele­gentlich ein Witz, der funk­tion­iert. Das wirft Fra­gen über die langfristi­gen Beruf­saus­sicht­en der Per­son auf, die das hier schreibt. Diese Fra­gen wer­den vor­läu­fig zurück­gestellt, da sie nicht unmit­tel­bar hand­lungsrel­e­vant sind und der Tages-Cred­it wartet.


 

Also: Dies ist eine Web­site über das Erstellen von KI-Bildern, über­wiegend auf Night­Café, mit wech­sel­n­dem Erfolg und ein­er kon­stan­ten Unfähigkeit aufzuhören. Das ist wahrschein­lich Grund genug. Als Gewohn­heit reicht es jeden­falls.